Planungsdokumente: pmsmoke2026.03 mit Hanjo

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Historischer Abriss

Das Plangebiet ist Teil des Großen Grasbrooks, einer früher sumpfigen Insel unmittelbar vor der Stadt, die als Weideland genutzt wurde. Der nördlichste Bereich war seit 1532 Teil der Befestigungsanlagen. Der Name „Ericusgraben“ erinnert an die frühere Bastion auf der Ericu- sspitze. Südlich der Stockmeyerstraße im Plangebiet existierte ein Vorwerk. Die Anbindung an die Stadt erfolgte über die Ericusbrücke und das Brooktor.

Technische Neuerungen des 19. Jahrhunderts und die rasante Entwicklung der Schifffahrt und Hafenwirtschaft führten 1862 bis 1881 zum Bau des Brooktorhafens und des Neuen Nord Canals (heute Ericusgraben). 1872 wurde südlich des heutigen Lohseplatzes der sogenannte Venloer bzw. Pariser Bahnhof für den Güter- und Personenverkehr eröffnet. Er fungierte als End- aber auch als Durchgangsbahnhof mit Gleisen, die über die Ericusbrücke zu den Bahn- höfen Klostertor und Berliner Tor führten. Weitere Gleise erschlossen den Grasbrook für den hafenbezogenen Güterverkehr.

1842 errichtete der Fabrikant Heinrich Christian Meyer die erste Fabrik mit Dampfmaschinen auf dem Gelände der ehemaligen Steinschanze westlich des Lohseplatzes. Von der Fabrik ist heute lediglich das zwischen 1902 und 1906 erbaute Gebäude Am Lohsepark 4a, Shanghai- allee 7, 9 erhalten.

An der Südseite des Brooktorhafens befand sich bis zum 2. Weltkrieg das Hauptzollamt Mey- erstraße, das 1898 errichtet wurde.

Nach dem Zollanschluss, dem damit hergestellten Freihafenstatus des Hamburger Hafens und der Fertigstellung der Speicherstadt hat sich auch der Bereich östlich des Magdeburger Ha- fens maßgeblich verändert. Bis zum Kriegsbeginn entwickelte sich auch auf dem an das Frei- hafenareal angrenzenden, von Gleisanlagen dominierten Bahngelände, eine kleinteilige Be- bauung bestehend aus Betriebs- und Lagergebäuden.

Die als doppelstöckige Drehbrücke konzipierte Oberhafenbrücke wurde 1904 als Bestandteil der Bahnverbindung zum Hauptbahnhof fertiggestellt.

1906 wurde nach dem Bau der Pfeilerbahn und der Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs der Personenverkehr im Pariser Bahnhof eingestellt und der Bahnhof – später umbenannt zum Hannoverschen Bahnhof – als Hamburgs Hauptgüterbahnhof genutzt. In den Jahren 1940 bis 1945 wurde der Bahnhof zum Ort des Schreckens für verfolgte Mitbürgerinnen und Mitbürger. Von ihm fuhren 20 Deportationstransporte mit über 8.000 Juden, Roma und Sinti aus Hamburg und Norddeutschland in die Ghettos und Vernichtungslager Ost- und Mitteleuropas. Im Plan- gebiet („MK 3“) ist ein Dokumentationszentrum geplant, das an diesen bedrückenden Teil der Geschichte erinnert. Bereits hergestellt ist der Gedenkort im Lohsepark, wo authentische Re- likte eines Bahnsteigs gesichert wurden, von dem aus die Menschen abtransportiert wurden.

Die massiven Zerstörungen von 1943 bedeuteten für das Untersuchungsgebiet den Verlust eines großen Teils des Gebäudebestandes. Reste des ehemaligen Eingangsportals des Han- noverschen Bahnhofes wurden 1955 gesprengt und nachfolgend auf großen Teilen des Bahn- hofsgeländes eine Speditionshalle mit Logistikflächen errichtet, die 1986 durch einen großvo- lumigen Neubau ersetzt und 2013 abgerissen wurde. Durch veränderte Umschlagstechniken und den Bau der ersten Containerterminals in den 1960er Jahren setzte die sukzessive Ab- wanderung der Umschlagwirtschaft aus den alten Hafenrevieren ein.

Gebäude- und Nutzungsbestand

Im Plangebiet gab es im 19 Jahrhundert gebaute gewerbliche Nutzungen und Gleisanlagen mit Umschlagschuppen, die zu wesentlichen Teilen im Zuge des logistischen Wandels des Hafens seit den 1970er Jahren brach gefallen waren. Dieser Eindruck der gewerblichen Nut- zung wird heute noch durch den sogenannten „Hildebrandtblock“, der im Norden des Plange- biets (im Kerngebiet „MK 3“) direkt an der Shanghaiallee liegt, widergespiegelt. Das ehemalige siebengeschossige unter Denkmalschutz stehende Fabrikgebäude, das heute u. a. ein Auto- museum beherbergt, dominiert den Block (Am Lohsepark 4a, Shanghaiallee 7, 9). Den Norden des Blocks bildet ein weiteres siebengeschossiges Gebäude, das als Lager- und Bürogebäude genutzt wird (Am Lohsepark 4a).

Auf den südlich des Hildebrandtblocks liegenden Baufeldern (70 südlich Steinschanze, 71 südlich Yokohamastraße, und 72 südlich Kobestraße) sind ca. 430 Wohnungen (darunter ein

Studierendenwohnheim für 128 Studierende), Büros, ein Hotel, Kindertagesstätten, und pub- likumsbezogene Erdgeschossnutzungen errichtet worden. Am Baakenhafen (Baufeld 80 süd- lich Versmannstraße / Ecke Grandeswerder Straße) ist ein Bürogebäude mit Turm und Riegel sowie ein Wohngebäude mit 40 Wohnungen errichtet worden.

Im zentralen Bereich des Plangebiets ist der Lohsepark entstanden, nachdem die Speditions- nutzung aufgegeben und die Gleisanlagen eisenbahnrechtlich entwidmet wurden. Auf dem Lohseplatz, dem Vorplatz des ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs, erinnert eine Gedenkta- fel an den Ausgangspunkt der Deportationen. Die unter Denkmalschutz gestellten Überreste des Deportationsbahnsteigs 2 im Osten des Plangebiets sind öffentlich zugänglich und Kern- bereich des als Gedenkort gestalteten Parkteils.

Die Shanghaiallee einschließlich der Shanghaibrücke ist seit dem Jahr 2006 als neue Hoch- wasser geschützte Hauptverkehrsstraße zwischen Brooktorkai und Versmannstraße in Be- trieb. Die Stockmeyerstraße ist als hochwassergeschützte Erschließungsstraße fertiggestellt.

Die östliche Grenze des Plangebiets bildet der Damm der sogenannten Pfeilerbahn, auf dem Fernbahngleise auf einer Höhe von bis zu ca. 11 m über NHN liegen. Am südöstlichen Rand des Plangebiets liegt ein Kreuzungsbauwerk, bei dem das sogenannte „Harburger Gleis“ die hochliegenden Fernbahngleise unterquert und dieses mit den sogenannten „Berliner Gleisen“ nordöstlich des Bahndamms in einer Höhenlage um 6,50 m über NHN verbindet. Die Pfeiler- bahn mit dem Kreuzungsbauwerk ragt über die jetzige Topografie ca. 5 bis 6 m hoch auf. Sie stellt eine gravierende Zäsur und unüberwindbare Barriere am östlichen Rand des Plangebiets dar. Eine Querungsmöglichkeit für Fahrzeuge und Fußgänger zu den Bahnflächen östlich der Pfeilerbahn besteht nur durch eine Unterführung in Verlängerung der Stockmeyerstraße. Eine weitere Querung für Fußgänger im Zusammenhang mit dem östlichen Ausgang der U4 Station HafenCity Universität durch einen Tunnel in Richtung Oberhafen ist geplant. Das dafür erfor- derliche Plangenehmigungsverfahren wurde eingeleitet.

Im Zuge des Neubaus der Pfeilerbahn wurde die im nördlichen Plangebiet gelegene Oberha- fenbrücke zum 1. Januar 2008 durch einen Neubau ersetzt. Ihr historischer Vorgänger wurde von 1902 bis 1904 gebaut, als Drehbrücke ausgelegt, mit vier Gleisen für die Bahn oben und zwei Fahrspuren für den Straßenverkehr in der unteren Ebene. Die Doppelstöckigkeit wurde beim Neubau der Brücke erhalten.

Der Straßenneubau der Erschließungsstraßen zwischen Shanghaiallee und Lohsepark wurde weitgehend abgeschlossen.

Im Plangebiet befinden sich 110 kV-Hochspannungskabel, Mittel- und Niederspannungskabel sowie zwei Netzstationen der Stromnetz Hamburg GmbH, die auch weiterhin für die Versor- gung mit elektrischer Energie benötigt werden. Darüber hinaus befinden sich weitere 110 kV- Hochspannungskabel in Planung bzw. Bestand sowie Fernwärmeleitungen im Bestand.

An der Straße Am Hannoverschen Bahnhof 25 befindet sich eine temporäre Kindertagesstätte insbesondere zur Sicherstellung der Betreuung von Kindern aus der temporären Flüchtlings- unterkunft „Kirchenpauerstraße“ (Bebauungsplan-Entwurf HafenCity 13). Die Nutzungsdauer ist befristet.

4. Umweltbericht